Gott erleben oder Gott kennen

Gott erleben oder Gott kennen

Kürzlich suchte ich im lnternet nach dem Begriff „Gott erleben“ und erhielt 51 Millionen Treffer.1 Erstaunlich – dies muss ein wichtiger Begriff sein. „Natürlich ist es das“, höre ich Sie sagen: „Wir müssen Gott erleben“ – dies ist eine so gängige Vorstellung unter Christen von heute, dass sie von jedem akzeptiert wird ohne einen Zweifel, ob es sich um Gottes Willen für uns handelt. Und natürlich will keiner von uns so ungeistlich sein, dass er keine Erlebnisse mit Gott vorweisen kann. Viele von uns, die mit Gott „keine Erlebnisse“ gemacht haben, ziehen leise von dannen und fühlen sich betreten, betrogen und minderwertig. Ferner gibt es jene besonders Geistlichen, die mit Gott Erlebnisse gemacht haben und nun umherstolzieren und sich denen überlegen fühlen, die ihren geistigen Stand noch nicht erreicht haben.

Aber was ist die Wahrheit über Erlebnisse mit Gott? Ich durchforschte die Bibel und fand heraus, dass weder die King James Bible noch die New King James Bible den Ausdruck „Gott erleben“ überhaupt benutzt. Das englische Wort „experience“ (Erlebnis, Erfahrung) kommt dreimal in der New King James Bible2 und dreimal in der King James Bible3 vor. Keine der Bibelstellen hat etwas damit zu tun, dass jemand eine Erlebnis mit Gott macht. Die Vorstellung, Gott zu erleben, findet sich einfach nicht in der Bibel. Sie begegnet uns hingegen in heidnischen und okkulten Praktiken und in der modernen, auf Unterhaltung ausgerichteten Welt, in welcher Erlebnisse in den Mittelpunkt gerückt wurden; dabei geht man so weit, dass jedes Mittel – von Rauschmittel bis zu Magie – willkommen ist, um irgendein Erlebnis zu machen. Die gesamte Unterhaltungsindustrie ist darauf ausgerichtet, den Menschen ein Erlebnis anzubieten. Selbst der Einkauf soll zu einem wunderbaren Erlebnis werden, woran, so scheint es, nur das weibliche Geschlecht so richtig Freude hat.

Es gibt keine Bibelstelle, die davon spricht, dass wir Gott erleben sollen oder dass Jesus starb, damit wir Gott erleben können. lst Gott etwa wie ein Film, ein Themenpark oder Bungee-Springen – ein Erlebnis, das man machen kann? lst Gott der letzte Schrei? lch glaube, für manche Leute ist Er genau das. Eine Denomination in Südafrika hat in einem Trendmagazin eine ganzseitige Werbeanzeige in Farbe drucken lassen, welche ein junges Mädchen mit einer körperbetonten Jeans von hinten zeigte. Folgende Worte waren auf der Hosentasche der Jeans aufgedruckt: „Du hast alles versucht, versuch es einmal mit Jesus.“ Kein Wunder, dass der Leiter und Gründer der Denomination aufgrund mehrfachen Ehebruchs gefeuert wurde.

Hatten Abraham, Mose, Paulus oder sonst jemand in der Bibel „Erlebnisse“ mit Gott gemacht? Was für Erlebnisse haben sie gemacht? Was fühlten sie, als sie Gott erlebten? Keiner dieser Männer (oder andere Personen) haben Erlebnisse mit Gott gemacht. Einige sahen einen Aspekt von lhm und andere hörten, wie Er zu ihnen „sprach“, aber keiner der Heiligen des Alten oder Neuen Testaments hatte ein Erlebnis mit Gott. Johannes und die anderen Jünger hatten am ehesten das, was man als ein Gotteserlebnis bezeichnen könnte; Johannes schreibt: “Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens“ (1.Joh.1:1). Dies war indes ein einzigartiges Erlebnis, weil die ersten Jünger Jesus leiblich erlebt hatten. Doch selbst die Jünger machten nicht die Art von mystischen „Erlebnissen“, die heute so sehr propagiert werden.

Wenn wir Gott erleben würden, wie würde sich das anfühlen? Würden wir eine Gänsehaut bekommen wie bei der Nationalhymne, oder würden uns die Haare zu Berge stehen wie in einer unheimlichen Nacht? Oder käme es dem Erlebnis gleich, wenn eine Person einem Orchester lauscht, das ein ergreifendes Musikstück aufführt oder wenn eine andere Person den Ton eines Dudelsacks vernimmt jene tiefen Töne einer Orgel hört, welche ihre Seele in Schwingungen versetzt? Es scheint, dass alle Erlebnisse, die so manche Personen für sich beanspruchen, auch von der Welt hervorgebracht werden können, und dies vielleicht in einer noch intensiveren Weise.

Wie „erleben“ wir Gott? Ein Autor schrieb: „Viele haben Gottes Gegenwart nie persönlich erfahren, obwohl sie Bilder als primäres Medium einsetzten.“4 Findet man also Gottes Gegenwart in Bildern? „Ja, natürlich“, mögen einige sagen! Andere behaupten, man könne Gott in der Musik, in der Anbetung, in der Meditation erfahren. Keine dieser Vorstellungen hat jedoch eine biblische Grundlage. Können Sie sich vorstellen, wie Jesus auf dem Berg eine DVD anschaute, um den Vater “erleben“ zu können? Oder ist es möglich, dass Paulus ein modernes christliches Musikkonzert besuchen würde, damit er Gott „fühlen“ könne?

Und wozu dienen diese Erlebnisse? Sie sollen uns verändern. Wilson und Moore sprechen über „die Macht der digitalen Medien, um Erlebnisse mit Gott zu machen, die Personen verändern können.“5 Teilweise mögen sie Recht haben. Diese Erlebnisse werden uns verändern. Aber während die Schrift uns in das Ebenbild Jesu verändern will (Rö.12:2), verwandeln uns diese Erlebnisse in das Bild der Welt. Nein, du erlebst Gott weder in einem Konzert noch während einer Veranstaltung oder in einer dunklen, stürmischen Nacht; und es ist kein Gottes-Erlebnis, wenn du schöne (oftmals abstrakte) Bilder einer Power Point Präsentation betrachtest; ferner kann man Gott nicht in einer wunderbaren Kathedrale erleben, die von Orgelklängen erfüllt ist. Oh, und war da nicht etwas im Alten Testament, wo uns verboten wurde, uns ein Bild von Gott zu machen (2.Mo.20:4)? (Entschuldigung, ich habe vergessen, dass es sich hierbei um das Alte Testament handelt; die Gläubigen des Neuen Testaments sind viel zu clever, dass sie sich von diesen alten Regeln beeindrucken lassen!)

Paulus hatte folgendes zu diesem Thema zu sagen: „Wir sollen nicht meinen, dass das Göttliche dem Gold und Silber oder Stein, einem Gebilde der Kunst und der Erfindung des Menschen, gleich sei“ (Apg.17:29). Diese Art von Götzendienst, denn genau darum handelt es sich hier, hatte Paulus vor Augen, als er schrieb: „…indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom vergänglichen Menschen“ (Rö.1:22-23).

Preis sei Gott, dass man Ihn erkennen, sehen und hören kann, allerdings nicht mit den natürlichen Sinnen oder mit Hilfe von Praktiken oder Methoden. „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird“ (1.Kor.2:14). Gott bleibt sowohl dem natürlichen Auge als auch den natürlichen Ohren und Emotionen verborgen. Es gibt nur einen Weg zum Vater, und das ist durch Jesus Christus. Kein Gottesdienst, keine Multimedia-Show, kein Bild, keine Musik und kein Anspiel kann Sie in Gottes Gegenwart bringen – alleine das vergossene Blut und der gebrochene Leib seines Sohnes kann Sie in Gottes Nähe bringen (Hebr.10:19-22).

Eines der vielen Probleme damit, „Erlebnisse mit Gott“ machen zu wollen, ist, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Mit anderen Worten, Gott ist da zu unserem Vergnügen, damit wir Gänsehaut bekommen und es uns kalt den Rücken herunter läuft. Der Sinn von Gemeinschaft mit Gott besteht demnach darin, dass Er uns segnet und uns unter anderem mit angenehmen Gefühlen beschenkt. Nach dieser Philosophie können wir erst sicher sein, in Gottes Gegenwart gewesen zu sein, wenn wir ein warmes, wohliges Gefühl oder ein wunderbares Erlebnis gemacht haben. Die meisten dieser Erlebnisse werden äußerst positiv geschildert und als wunderbar, auferbauend, friedvoll, aufregend oder bewegend geschildert. Noch einmal, dies widerspricht allem, was wir in der Bibel finden. Menschliche Traditionen haben etwas geschaffen, was nichts mehr mit der Realität von Gottes Wort zu tun hat.

Es mag hilfreich sein, die „Erlebnisse“ einiger Männer der Bibel, die Gott „begegneten“, genauer zu betrachten. Adam versteckte sich, als er Gott begegnete, und von Mose heißt es, als er Gott nahte: „Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich“ (2.Mo.3:6). Nach dieser Begegnung mit Gott, sagte der gut ausgebildete und redegewandte Mose: „Ach, Herr, ich bin kein redegewandter Mann, weder seit gestern noch seit vorgestern, noch seitdem du zu deinem Knecht redest, denn unbeholfen ist mein Mund und unbeholfen meine Zunge“ (2.Mo.4:10). Als Jakob Gott begegnete, blieb er als gebrochener Mann zurück (1.Mo.32:31).

Hiob hatte eine Unterredung mit Gott und erwiderte: „Darum verwerfe ich mein Geschwätz und bereue in Staub und Asche“ (Hiob 42:6). Später hatte Jesaja eine Vision von Gott und schrie aus: „Wehe mir, denn ich bin verloren, denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich…“ (Jes.6:5). Der Engel des Herrn erschien den Eltern von Samson und sie sagten: „Ganz sicher müssen wir jetzt sterben, denn wir haben Gott gesehen“ (Ri.13.22). Daniel berichtet über eine Vision Gottes: „… und ich sah diese große Erscheinung. Und es blieb keine Kraft in mir, und meine Gesichtsfarbe veränderte sich an mir bis zur Entstellung, und ich behielt keine Kraft“ (Dan.10:8). Habakuk hörte Gott reden und sagte: „Herr, ich habe deine Botschaft vernommen… lch vernahm es, da erbebte mein Leib, bei dem Schall erzitterten meine Lippen, Fäulnis drang in meine Knochen, und unter mir bebte mein Schritt“ (Hab.3:2,16).

lm Neuen Testament war Paulus der erste Mann, der den auferstandenen verherrlichten Herrn „sehen“ durfte, und er fiel zu Boden und war nach dieser Begegnung blind (Apg.9:4,8). Drei der Jünger hörten die „Stimme“ Gottes auf dem Berg der Verklärung und „als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr“ (Mt.17:6). Johannes, der an der Brust des Herrn lag, hatte eine Vision des erhöhten Herrn und sagte: „Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot“ (Offb.1:17).

Es gibt nicht ein einziges Erlebnis einer biblischen Person, die eine Gottesbegegnung hatte und anschließend berichtete, wie toll, wunderbar, auferbauend, aufregend oder abenteuerlich es gewesen war. Jede dieser Personen sprach voller Ehrfurcht und Staunen über den lebendigen Gott. Keiner von ihnen hatte Gänsehaut, ein warmes, wohliges Gefühl oder einen wunderbaren Frieden. Alle Personen, die eine echte Begegnung mit dem wahren Gott erlebt hatten, blieben zerbrochen, demütig, ehrfurchtsvoll zurück und hatten ein tiefes Empfinden ihrer Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit. Für mich besteht überhaupt kein Zweifel, dass alle Erlebnisse mit Gott, welche als aufregend oder berauschend empfunden werden, alles andere als Erlebnisse mit Gott sind.

Hier ein weiterer Test. Wenn eine Person über ein „Erlebnis“ berichtet und nicht mehr aufhören kann zu betonen, wie wunderbar dies war, was sie gefühlt und erfahren hat, dann ist die Person sicherlich nicht Gott begegnet. Alle, die wirklich den Saum seines Gewandes berührt haben, berichten nicht, wie aufregend oder wunderbar dies für sie war. Wer überhaupt über solch ein Erlebnis berichtet, weiß über die Güte, Freundlichkeit und Gnade eines herrlichen Gottes, der sich einem erbärmlichen Sünder nahte, zu erzählen. Jede Person der Bibel, die Gott begegnet ist, hatte ein tiefes Bewusstsein von Gottes Herrlichkeit und Heiligkeit und der eigenen Unwürdigkeit.

Alle, die sich solcher Erlebnisse rühmen, Bücher schreiben und Interviews über ihre Erlebnisse mit Gott geben, sind sicherlich nicht wirklich Gott begegnet. Je näher wir in die Gegenwart Gottes kommen, desto zerbrochener und demütiger werden wir. Das kann nicht anders sein. Wie kann ein sündiger, wenngleich erlöster Mensch, den König des Universums sehen, hören oder berühren und nicht als eine Person zurückbleiben, die ihre eigene Erbärmlichkeit erkennt und den gnädigen und barmherzigen Gott anbetet?

Tatsächlich wird jede Gottesbegegnung eine radikale und dauerhafte Veränderung in uns bewirken. Das Gesicht des Mose leuchtete, Paulus war nicht länger ein ehrgeiziger und selbstgerechter Feind der Heiligen, sondern sein ganzes Leben wurde als Trankopfer für die Gemeinde, die er einst verfolgte, ausgegossen. Offen gesagt, ich habe jene Leute satt, die ständig behaupten, Erlebnisse mit Gott zu machen und dennoch in Lüge, Verführung, Zerstörung und Selbstsucht verstrickt sind. Jede wahre Gottesbegegnung zieht reale und grundlegende Veränderungen im Leben einer Person nach sich. Diese Veränderungen sind anhaltend und nicht eine oberflächliche Schein-Heiligkeit oder Schein-Frömmigkeit. Auch handelt es sich dabei nicht nur um einen schwachen Versuch, sich selbst zu reformieren. Jeder der oben erwähnten Männer war nach seiner Begegnung mit Gott nicht mehr derselbe. lhr Reden, ihre Ziele, ihr Lebensstil und ihre Haltungen veränderten sich radikal – oftmals in einer Weise, die menschlich nicht erklärbar ist. Jene, die während eines Gottesdienstes am Sonntagmorgen oder wenn sie fünf Minuten nach vorne kommen und einige Tränen vergießen „Gott erleben“, um dann bereits beim Mittagessen mit ihrem negativen Gerede fortzufahren, sollten nicht von sich behaupten, dass sie Gott begegnet sind.

Diese Pseudo-Erlebnisse kommen direkt aus der Hölle, und zwar aus einem einfachen Grund: Sie sind das Placebo, das Millionen aufrichtiger Seelen davon abhält, nach dem Wahren zu hungern und zu dürsten. Ja, Gott berührt noch immer schwache Menschen. Ja, noch spricht Gott und offenbart sich selbst, aber wahre Offenbarungen Gottes sind mehr als Zirkus oder emotionales Aufpeitschen oder eine Show. Eine wahre Konfrontation mit Gott zieht wahrhaftige Veränderung nach sich.
„Wir aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es von dem Herrn, dem Geist, geschieht“ (2.Kor.3:18).
Eine der wichtigsten Aussagen, die Jesus machte, war: „Die wahren Anbeter werden den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten, denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh.4:23-24). Wenn wir Gott begegnen, dann muss es auf der Ebene von Geist und Wahrheit sein.

Geist oder geistlich in diesem Zusammenhang bedeutet das Gegenteil von fleischlich oder seelisch. Meistens begegnete Gott den Menschen im Alten Testament auf der Ebene des Fleisches (physische Ebene). Menschen sahen Gott mit ihren physischen Augen oder sie hörten Gottes Stimme mit ihren physischen Ohren. Die Menschen reagierten auf Gott, indem sie sich mit ihrem Leib niederbeugten, auf ihr Angesicht fielen oder die Schuhe auszogen. Wenige Menschen in jenen Tagen hatten eine tiefere Beziehung mit Gott, die über das Sichtbare (die physische Ebene) hinausging; die meisten Menschen jener Zeit hatten lediglich eine äußerliche Beziehung mit Gott, die sich kaum auf einer geistlichen Ebene vollzog.

Gott wollte mehr für uns, und darum gab er einige außerordentliche Verheißungen: Dass das Gesetz nicht länger auf steinernen Tafeln, sondern auf die Herzen geschrieben werden solle (Jer.31:33), dass wir nicht länger von menschlichen Lehrern abhängig sein würden, sondern vom Geist gelehrt würden (Jer.31:34), dass Gottes Geist nicht mehr nur äußerlich auf jemanden kommen würde, sondern im Herzen Wohnung machen würde (Hes.36:27) und dass wir nicht länger Gott nur an einem bestimmten Ort anbeten würden, sondern dass wir Gott an allen Orten anbeten werden (Joh.4:21). Alle diese Verheißungen, und viele weitere, weisen darauf hin, dass es zu einer Verlagerung vom Äußerlichen zum Innerlichen, vom Fleischlichen zum Geistlichen kommen muss.

Selbst das Alte Testament liefert Hinweise über die Absichten Gottes bezüglich der Salbung mit Öl – ein sehr heiliger und tiefgründiger Vorgang. Es gab klare und eindeutige Regeln, welche den Einsatz von Öl bestimmten – ein Bild für den Heiligen Geist, wie ihn die neutestamentlichen Gläubigen empfangen sollten. Erstens, die Salbung war dazu bestimmt, die Menschen zum Dienst für den Herrn (2.Mo.30:30) auszurüsten. Sie wurden nicht zu ihrem Vergnügen gesalbt oder damit sie Erlebnisse machen können, sondern sie sollten für den Dienst ausgerüstet werden. Heute sprechen die Leute davon, dass sie „die Salbung empfangen“ als Folge der Anbetung oder durch andere Formen des Dienstes. Nein, wir bedürfen der Kraftausrüstung Gottes, bevor wir in seine Gegenwart treten und bevor wir Hand anlegen, um einen Dienst für Ihn zu verrichten. Außerdem war die Salbung mit Öl ein Zeichen für Heiligung und Aussonderung zum Dienst. Personen wurden nicht gesalbt, damit ihre Haare und ihre Haut glänzten – sie selbst hatten keinen Vorteil davon. Ferner ist zu beachten, dass sie gesalbt wurden, um dem Herrn zu dienen. Heute hingegen stehen immer die Bedürfnisse und Freuden der Menschen im Mittelpunkt, aber nicht mehr der Herr selbst.

Zweitens, das Öl „durfte nicht auf das Fleisch des Menschen“ ausgegossen werden (2.Mo.30:32). Es musste auf das Haupt Aarons und seine Kleider ausgegossen werden, aber niemals auf sein Fleisch. Heute scheint sich allerdings alles um das Fleisch des Menschen zu drehen. Ausnahmslos alle heutigen Erlebnisse und Manifestationen wie Schütteln, Springen, Hinfallen oder Gänsehaut sind Äußerungen des Fleisches (physische Ebene), auch wenn behauptet wird, dass „es der Geist war, der dies hervorbrachte.“ Wenn das Fleisch schon im Alten Testament nicht gesalbt werden durfte, wie viel mehr gilt dies im Neuen Testament.

Drittens, das Öl durfte weder nachgemacht noch imitiert werden (2.Mo.30:32). Dies war eine so ernste Anordnung, dass jeder, der das Öl nachmachte, mit dem Tode bestraft wurde (2.Mo.30:32). Heute gibt es viele lmitationen von Gottes Salbung und Gegenwart, so dass das Wahre kaum noch anzutreffen ist. Manchmal imitieren Leute ein Produkt und versuchen dies noch zu verbessern. Kopien von Gottes Gegenwart sind leider sehr schlechte Imitate, und es ist traurig, dass es so wenige Personen gibt, die zwischen dem Wahren und dem Falschen unterscheiden können. Warum distanzieren wir uns nicht von jenen Scharlatanen, die falsche „Erweckungen“ hervorbringen? Wir dagegen beten sie als mächtige Gottesmänner und Gurus an, die einen neuen oder einzigartigen Segen entdeckt haben. Viele verkaufen diese Dinge offen als das „neueste Wirken Gottes“; sie gehen so weit, dass sie behaupten, Gott wirke nicht mehr auf der Grundlage seines Wortes. lch bete dafür, dass jeder Leser den Mut hat, alles abzulehnen, was lediglich ein Imitat göttlichen Wirkens ist und dass er jeden abweist, der es wagt, unseren Geist mit einem menschlichen Ersatz von wahrem göttlichen Wirken erfüllen zu wollen.

Viertens, das Öl durfte nicht auf Außenstehende ausgegossen werden (2.Mo.30:33). Es war ausschließlich für jene bestimmt, die für den Dienst des Herrn geheiligt und ausgesondert wurden. Warum hören wir in den letzten dreißig Jahren ständig, dass weltliche Personen „den Heiligen Geist empfangen“ haben? Warum hören wir von Ungläubigen, welche die gleichen bizarren und wundersamen Manifestationen aufweisen wie die Gläubigen? Gott ist heilig und sein Geist wird eindeutig Heiliger Geist genannt. Gottes Geist manifestiert sich nicht in Ungläubigen, außer dass er sie zur Buße leiten will. Wenn im Alten Testament kein Öl auf Außenstehende ausgegossen werden durfte, dann gilt desgleichen unter dem Neuen Testament: Ungläubige sollen keine geistlichen Erlebnisse mit dem Heiligen Geist machen, außer dass sie ihre Knie vor Gott beugen und Buße tun.

Schließlich, der Mann, der gesalbt wurde, „durfte das Heiligtum nicht verlassen, noch durfte er das Heiligtum entweihen“ (3.Mo.21:12). Dies ist ein Bild für die totale Hingabe an den Herrn und den Dienst. Heute sind wir der Tempel Gottes, und Gott wohnt in uns (1.Kor.3:16). Die Gegenwart Gottes in uns fordert von uns ein, dass wir in lhm bleiben und ein heiliges Leben führen. Der Herr hat kein Interesse daran, ungehorsamen und unheiligen Personen einen geistlichen „Trip“ zu schenken, damit sie sich gut fühlen. Auch berührt er keine Personen, die fern von lhm sind und die ganze Woche weltlich leben, um am Sonntag ein schnelles geistliches Erlebnis zu machen.

Diese Vorstellung von einer kurzen und zeitlich begrenzten „Salbung“ ist ein alttestamentlicher Gedanke. lm Neuen Testament gilt eine tiefere und beständigere Verheißung der Gegenwart Gottes. lch bete, dass wir das Falsche verwerfen und das Echte suchen.

„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. lhr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (Joh.14:16-17).

„Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herzen gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Uns aber hat Gott es geoffenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes“ (1.Kor.2:9-10). Die Dinge Gottes kann man mit dem menschlichen Auge nicht sehen, mit den menschlichen Ohren nicht vernehmen oder mit den natürlichen Gefühlen nicht empfinden, weil Gott Geist ist und geistliche Dinge nur durch den Geist wahrgenommen werden können.

ln der gleichen Weise, wie ein Tauber niemals in den Genuss wunderbarer Musik kommen kann, und ein Blinder die sichtbare Schönheit von Gottes Schöpfung zu keiner Zeit wahrzunehmen vermag, können geistliche Dinge niemals mit den natürlichen Sinnen oder Emotionen erkannt werden. Nur mit einem intakten Gehörsinn kann man ein wunderbares Musikstück hören und genießen. Wie man Musik weder mit der Zunge noch mit der Nase hören kann, so ist es unmöglich, Gott mit den natürlichen Sinnen zu „erleben“. „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird“ (1.Kor.2:14). Der natürliche Mensch wirkt auf der fleischlichen, seelischen Ebene, und auf dieser Ebene kann er Gott nicht begegnen. Damit der Mensch Gott erkennen kann, muss er die fleischliche Ebene hinter sich lassen und sich auf die geistliche Ebene begeben. Dies setzt nicht nur voraus, dass er eine Wiedergeburt erfahren hat, sondern auch, dass er sich den geistlichen Gesetzen Gottes unterwirft. Der Mensch, der von sinnlichen und fleischlichen Begierden regiert wird, kann Gott nicht begegnen, da seine Fleischlichkeit ihn für die geistlichen Dinge blind macht. Darum wurde die Gemeinde zu Laodizea aufgrund ihrer Weltlichkeit als „blind“ bezeichnet (Offb.3:17); der Bruder, der hasst, ist in der Finsternis (1.Joh.2:11); und der Christ, der nicht fleißig darum bemüht ist, Christus ähnlich zu werden, ist kurzsichtig und blind (2.Petr.1:5-9). Es gab viele sehr weise, verständige und intelligente Personen auf dieser Erde, die Gott nie begegnen konnten, weil sie ihre menschlichen Fähigkeiten nicht hinter sich ließen.

Wie Gott vom natürlichen Menschen nicht „gesehen“ werden kann, so ist es auch unmöglich, dass natürliche Dinge Gott offenbaren können. Man kann die wunderbarste audiovisuelle Präsentation darbieten, Gerüche verströmen lassen, ein Gebäude vibrieren lassen und jeden der fünf Sinne ansprechen, aber nichts von alledem wird dazu führen, dass wir Gott „erleben“ können. Dies ist einfach eine Tatsache, weil Gott Geist ist, und Geist kann man nicht sehen, hören, fühlen, riechen oder schmecken. Gemeinden geben Millionen von Dollar aus, um für die Sinne ansprechend zu sein, und dennoch können sie ihren Mitgliedern auf diese Weise keine Gottes-Erlebnisse anbieten. Die Leute mögen Erlebnisse machen, aber niemals sind es göttliche Erlebnisse. In den ersten beiden Kapiteln des 1. Korintherbriefes rechnet Paulus sowohl die Fähigkeiten eines guten Redners als auch menschliche Weisheiten und Wunderkräfte zu den Dingen, welche uns nicht von der natürlichen in die geistliche Ebene versetzen können.

Auf der anderen Seite gibt es viele Personen, die mystische Wege propagieren, um Gott zu erleben. Dazu gehören Lieder, Meditation, Mantras, Labyrinthe usw. Viele dieser Methoden gibt es schon lange in der Kirchengeschichte, aber sie sind auch in den östlichen Religionen zu finden. Hierbei handelt es sich stets um Methoden, die das Seelische im Menschen stimulieren und nicht über die natürliche Ebene hinausgehen, mit Ausnahme von jenen Fällen, wo es zu dämonischen Einflüssen kommt.

Wie also begegne ich Gott? Erstens müssen wir verstehen, dass wir lhm nicht mit Hilfe von natürlichen Dingen begegnen können. Dann müssen wir erkennen, dass wir uns nicht mit eigenen Werken oder Verdiensten in einen geistlichen Zustand versetzen können, um „Gott zu erleben“. Wir haben Zugang zu lhm durch einen neuen und lebendigen Weg. So ist es ein für allemal – keine Opfer mehr, keine Gesänge, kein endloser Lobpreis, keine Lautstärke, keine eigenen Verdienste. Wir haben Zugang zu Gott durch drei Dinge: Sein vergossenes Blut, seinen gebrochenen Leib und seinen hohepriesterlichen Dienst (Hebr.10:19-21). Dies alles hat Er für uns getan. Lassen Sie es nicht zu, wenn Leute Ihnen Erlebnisen mit Gott versprechen oder sagen, sie führen Sie in die Gegenwart Gottes oder seine Herrlichkeit usw. Wir haben den Zugang zu lhm. Alles ist durch Jesus Christus vollendet. Wenn wir wiedergeboren sind, dann haben wir das Recht, sofort in das Allerheiligste einzugehen. Gottes Werk ist vollendet, und alles andere ist lediglich ein Rückfall in alttestamentliche Gesetze und Rituale. Warum propagieren aber so viele Leute diese Dinge? Weil diese Leute andere Personen, die „Erlebnisse mit Gott“ suchen, von sich abhängig machen wollen und damit Geld verdienen. Nichts von alledem brauchen wir. Jesus hat auf Golgatha alles vollbracht. Der Weg ist offen. Alles andere ist Schall und Rauch und wird uns nicht in Gottes Gegenwart führen.

Müssen wir denn überhaupt nichts tun? Doch, es gibt etwas, das wir tun müssen. „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Gott wohlzugefallen, denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird“ (Hebr.11:6). Das ist zugleich sehr einfach und sehr schwer. Der Glaube bedingt, dass ich einfach akzeptiere, Gott aufgrund des vollkommenen Erlösungswerkes auf Golgatha nahen zu können. Wenn wir das wirklich glauben, dann brauchen wir keine menschlichen Manipulationen, um uns anzuspornen, Gott “fühlen“ zu können. Wir werden einfach seine Verheißungen akzeptieren, denn Er wird uns nicht verlassen noch versäumen (Hebr.13:5). Alle, die wirklich glauben, brauchen keine Wunder, keine Gefühle oder keine Zeichen für Gottes Gegenwart. Wir glauben seinem Wort, obgleich Er leiblich nicht anwesend ist, und wir wandeln mit lhm. Wie Paulus sagte: „Denn in ihm leben und weben und sind wir“ (Apg.17:28). Alle, die Erlebnisen benötigen, um Gott zu nahen, kommen nicht durch Glauben in Gottes Gegenwart. Gott verwirft jeden, der nicht aufgrund von Glauben zu lhm kommt. Er verwirft ferner alle als Räuber und Diebe, die ihre eigenmächtigen Wege zu Gott verfolgen und nicht durch die Türe, die Jesus symbolisiert, in die Gegenwart Gottes treten wollen.

„Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum, den er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang – das ist durch sein Fleisch – und einen großen Priester über das Haus Gottes , so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt (und damit gereinigt) vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten, denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat.“ (Hebr.10:19-23)

Anmerkungen

1 Google: “experience God”
2 1.Mo.30:27, Pred.8:5, 1.Petr.5:9.
3 1.Mo.30:27, Pred.1:16, Röm.5:4.
4 Len Wilson and Jason Moore. Help! My Pastor Won’t Plan Ahead. Technologies for Worship. October 2005. S.15. (Der Artikel
befasst sich damit, wie weit der Einsatz moderner Medien zum Einsatz kommen darf, um die Emotionen von Personen zu
manipulieren.
5 Ibid.